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Berichte
impressum | münchen, 23.4.2017

Traumwetter in der Mozartstadt

Bericht vom 11.05.2009

Bericht vom Salzburg-Marathon am 03.05.2009

Traumwetter in der Mozartstadt am 3.5.2009 beim 6. Salzburger AMREF Marathon



AMREF (African Medical and Research Foundation – Flying Doctors Service) bemüht sich, den Gesundheitszustand benachteiligter Menschen in Afrika zu verbessern, die dortige Armut zu lindern und damit die Lebensqualität entsprechender Regionen zu steigern. So leisteten 4690 Läufer(innen) in 16 unterschiedlichen Distanzen bzw. Wertungen (s. www.salzburg-marathon.at) bei Idealwetter durch ihr Startgeld zum 6. Mal einen Beitrag zum diesjährigen Gesamtbetrag von 21.500 € für Gesundheitsprojekte in Magadi (Kenia). Auch deshalb hat das Laufereignis des Jahres in Salzburg einen hohen sozialen Wert.
Beim Marathon (42,195 km) der Männer lagen Christian Pflügl (Jg. 1978, AUT) mit 2:23:32 (1:10:33 / 1:12:59) auf dem 1., Kennedy Matolo (Jg. 1976, KEN) mit 2:24:57 (1:10:33 / 1:14:23) auf dem 2. und Karl Aumayr (Jg. 1982, AUT) mit 2:28:44 (1:14:06 / 1:14:35) auf dem 3. Platz, bei den Frauen platzierten sich Ursula Bredlinger (Jg. 1973, AUT) mit 2:49:20 (1:23:13 / 1:26:06) auf den 1., Maria Zechmeister (Jg. 1969, AUT) mit 2:55:21 (1:27:21 / 1:28:00) auf den 2. und Dr. Sabine Hofer (Jg. 1961, AUT) mit 2:56:55 (1:26:23 / 1:30:31) auf den 3. Rang bei insgesamt 596 Finishern der Königsdisziplin.
Beim Halbmarathon (21,097 km) kamen 1426 Teilnehmer in die Wertung. Dabei belegten bei den Herren Gidena Gebremedhin (Jg. 1982, ETH) mit 1:04:44 (0:32:23 / 0:32:21) die 1., Benedikt Fritz (Jg. 1982, GER) mit 1:09:48 (0:34:46 / 0:35:02) die 2. und Herbert Gruber (Jg. 1969, AUT) mit 1:12:28 (0:35:55 / 0:36:33) die 3. Position. Entsprechend waren bei den Damen Lucy Karimi (Jg. 1986, KEN) mit 1:16:05 (0:37:00 / 0:39:04), Isabelle Heers (Jg. 1981, GER) mit 1:25:16 (0:42:42 / 0:42:34) und Christina Gassner (Jg. 1975, AUT) mit 1:28:36 (0:43:25 / 0:45:11) auf die ersten 3 Plätze gelaufen.
Den Viertelmarathon (10,550 km) beendeten 245 und den Genusslauf (5,500 km) 218 Teilnehmer(innen). Von den 2er Staffeln des Marathons kamen 20 und von den 4er Staffeln 134 Gruppen ins Ziel. Weitere Einzelwertungen und Ergebnisse sind bei Interesse online einzusehen.
Vom Forstenrieder SC nahmen 2 Läufer in Salzburg teil: Peter Krafft (ein Oberbayer aus dem ehemaligen LC Solln) bildete mit Toni Mair unter der Eggen (ein Niederbayer aus dem Forstenrieder SC) eine 2er Staffel, die mit 3:20:02 (1:40:10 / 1:39:30) den 7. Rang dieser Disziplin erreichte, obgleich sich Toni während seiner Halbmarathon-Runde einen Muskelfaserriss zuzog und damit 40 sec. vor Peter ins Ziel kam. Den 106. Gesamtplatz beim Marathon (97. der Männer, 7. in der Klasse M50) belegte Karl Kleinhans (ein schon lang Zugereister und mittlerweile Geduldeter des Forstenrieder SC) mit 3:09:27 (1:29:52 / 1:39:34), wobei er in der 1. Hälfte ebenso konsequent und gleichmäßig einem Pacemaker für 3:00 wie in der 2. Hälfte seinem eigenen Laufstil auf der Spur blieb. Er ist schließlich für diese Zeilen der Sport news des FSC verantwortlich.
Was erwartet der Leser von einem Bericht? Sicher Kurzweile, vielleicht auch etwas vom Flair der Stadt Salzburg, vom „Beiwerk“ eines Marathons, von (subjektiven) Eindrücken auf der Strecke und womöglich auch etwas über die „dummen“ Motive, überhaupt 42,195 km am Stück zu laufen und dafür noch etwas zu bezahlen. Für einen gebürtigen Nordwürttemberger wie mich war letzteres herkunftsmäßig einst unvorstellbar. Es wird mir nicht gelingen, über all das Genannte hier zu reflektieren, man sehe es mir nach.
Dank bester Wegskizze erreichten wir (meine Frau und ich) am Samstag kurz nach 20.00 Uhr die Privatunterkunft unserer befreundeten Münchener Nachbarn Eugen und Gudrun Dohmen in der Paris-Lodron-Straße unweit vom Schloss Mirabell. Es war wie in einem Hotel***** für alles gesorgt und kostete obendrein nichts, eben ideal für einen Schwaben. Meine Startunterlagen hatte der Hotelier bereits selbst abgeholt und bereit gehalten. Mit Pasta nahm ich nebenan beim Italiener noch etwas Kohlenhydrate ein, hörte mir eine gute Wettervorhersage an und drängte deutlich vor Mitternacht auf meinen nötigen Schlaf. Der Sonntag fing optimal an: sehr gutes Frühstück, wolkenloser blauer Himmel und ideale Voraussetzungen für kurze Laufklamotten. Mein Privatcoach Eugen begleitete mich um etwa 8.15 Uhr in Richtung Kapitelplatz hinter dem Dom, wo die LKWs zur Gepäckabgabe bereit standen. Auch dies erledigte er für mich in der wartenden Schlange, damit ich rechtzeitig beim Starttross sein konnte. Trotz dortigem Gemenge entdeckten mich Peter und Fabian Krafft, die meine Zielzeit wissen wollten. Angemeldet hätte ich mich mit 3:10, sagte ich ganz optimistisch bei schönstem Sonnenschein. Dann hätte ich mir aber einiges vorgenommen, meinte Peter. „Schauen wir `mal, dann sehen wir schon.“
Beim Start um 9.00 Uhr konnte ich mich gut aus dem Pulk lösen und hatte rasch die beiden Pacemaker für 3:00 vor bzw. neben mir. An diesen in der 1. Runde dran zu bleiben, war mein kurz gefasster Plan. Ich erwartete von mir „höchste Konzentration“, eben das, was J. Löw der Nationalelf laufend predigt. Als wir in der Hellbrunner Allee vor km 5 einen der beiden Tempoläufer wegen eines Sprunggelenk-Traumas bereits verloren, bekam ich allen Respekt vor der zu bewältigenden Reststrecke. Einen Vorteil hatte mein Vorsatz: ich musste kaum auf die eigene Zeit sehen, denn der 3:00-Mann lief durch wie ein Uhrwerk. Wir haben äußerst wenig miteinander gesprochen, denn für mich war dieses Tempo am obersten Limit. Nur um 9.58 Uhr meinte ich kurz, dies sei exakt die Geburtsminute unseres Sohnes (19), worauf er antwortete: „Glückwunsch, wir haben noch knapp 400 m bis zu km 14.“ Es stimmte, denn in der ersten Stunde hatte ich 14,19 km/h, was ich allein freiwillig niemals geschafft hätte. Hoffentlich halte ich die erste Runde (21,097 km) meinen Plan durch, dachte ich spontan. „Was willst Du zeitlich machen?“, fragte mich der 3:00-Mann bei ca. km 18. Ich zuckte nur kurz mit meinen Schultern, weil ich genau wusste, diese Gangart nicht komplett durchzustehen. Wir waren bereits am Platzl mit der 20 km-Markierung als wieder mehr Zuschauer den Wegrand säumten. Ich blieb dran und wollte die Chance nutzen, die 1. Halbzeit in 1:30 abzuschließen. Wir kamen rasch an markanten Punkten im Zentrum vorbei und vernahmen die Verstärker auf dem Residenzplatz stets lauter. Bald sah ich die Digitalanzeige im Start- und Zielbereich sowie den Wegweiser nach links für die 2. Runde. Als ich die Startlinie zur 2. Halbzeit passierte, hatte ich 1:30:13 brutto hinter mir.
Jetzt war mein eigentliches Tempo angesagt, allerdings um den Preis, selbständig gleichmäßig mit einem „niedrigeren Gang“ zurecht zu kommen. Bereits auf dem Mozartplatz war der 3:00er ein größeres Stück vor mir. Bis ich über den Rudolfskai und –platz auf die Hellbrunner Straße kam, hatte ich ihn gänzlich aus den Augen verloren. In der wunderschönen Hellbrunner Allee zog ich an der Frohnburg zur Linken und wenig später am Schloss Emsburg zur Rechten vorbei (km 25). Ich freute mich wieder auf den ca. 400 m langen „roten Läufer“ innerhalb der Befestigungsmauern von Schloss Hellbrunn, der – sei’s zu Ehren der Sportler oder zur Vorbeugung gegen Splitt in den Schuhen bei entsprechendem Untergrund – direkt auf die Schlossanlage mit ihren Wasserspielen zuführte. Wieder außerhalb ihr gelangten wir über den Fürstenweg zur nordwestlichen Begrenzung des Schlossparks, hier links weg auf die Morzger Str. und nach ca. 300 m an der nächsten Einbiegung rechts ab in die Keltenallee, welche den Eichetwald durchquert und am Kneissl-Moor, dem südlichsten Punkt der Strecke, in die Berchtesgardener Str. einmündet. Auf ihr lief es sich ziemlich monoton über ca. 2000 m stadteinwärts, bis endlich bei etwa km 30 ein Blick auf die Festung Hohensalzburg möglich war. Die Route führte auf Höhe des Kommunalfriedhofs nach links zur Georg-Nikolaus-von-Niessen-Str. und unmittelbar nach deren Überbrückung des Almkanals gleich rechts weg in den Kohbergerweg (km 31). Auf geradem Kurs befanden wir uns nach der nächsten Kreuzung in der Leopoldskronstr. mit gleichnamigem Schloss zur Linken. Wenig später bogen wir links ab in die Firmianstr. und anschließend erneut links in die König-Ludwig-Str. mit Sicht auf den Leopoldskroner Weiher (li.) und das Königswäldchen (re.). An dessen Südseite kamen wir nach rechts in den Zwieselweg (km 33) bis zu dessen Kreuzung mit dem Guetratweg. Dieser führte uns nördlich zur erneuten Einmündung in die Firmianstr. mit südwestlichem Verlauf zur Moosstraße. Ihr folgten wir zentrumwärts bis zur linksseitigen Einweisung in die Nußdorferstr. und auf ihr ging’s geradeaus über den Huemerpark in die Franz-Huemer-Str. (km 36). An deren Ende ordneten wir uns nach rechts in die Rochusgasse ein und an ihrer 1. Kreuzung abermals nach rechts in die Maxglaner Hauptstr. mit direktem Übergang in die Neutorstr. bis zu deren Ende auf die links abzweigende Reichenhaller Str. entlang der Begrenzung des Mönchsbergs mit anschließender nördlicher Weiterführung auf die Augustinergasse mit ihrem rechter Hand stehenden Johannesschlössl. Wir folgten den Anweisungen der Streckenposten in die nordöstlich verlaufende Lindhofstraße und ließen das St. Johanns-LKH Salzburg (li.) und das Augustinerkloster (re.) hinter uns. Mit stets schwerer werdenden Beinen kam ich östlich am KH-Gelände auf der Gaswerkgasse an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität vorbei bis zur rechts ableitenden Joachim-Haspinger-Str., an deren Ende links weg in die Nikolaus-Lenau-Str., auf ihr zur B1 und damit rechts weg über die Ignaz-Harrer-Str. zur Lehener Brücke. Nach Flussüberquerung wurden wir rechts in den Elisabethkai dirigiert und folgten diesem südwärts entlang der Salzach, bis er nach der Bahnunterführung nach links in die Schwarzstraße schwenkte. Hier passierte ich km 40 um 11.59 Uhr und hörte kurz nach ihrer südlichen Absperrung mit linksseitiger Einweisung auf die Markus-Sittikus-Str. den Beginn des 12-Uhr-Läutens. Über sie wurden wir mit der parallel zur Salzach laufenden Rainerstr. verbunden, gelangten so über den Mirabellplatz am Schloss Mirabell und Mirabellgarten vorbei zentrumwärts zur Dreifaltigkeitsgasse bei geradem Verlauf bis zum Platzl mit einer „Duschmöglichkeit“ an den dortigen Wasserfontänen des Streckenrandes (km 41).
Meine Uhr zeigte 12.04 und es musste alles klappen, um in „meiner Zeit“ zu bleiben. Ich rannte zum 2. Mal über die Staatsbrücke und hatte von dort aus zu wenig Zeit für den tollen Blick auf die Altstadt Salzburg. Am Rathausbogen (Tränktor) des Brückenendes stand Eugen und rief mir beim rechtsseitigen Einbiegen in die Griesgasse für die letzten 1000 m Mut zu (s. Bild).
Ab hier gab ich mein Letztes: fast am Ende der Griesgasse links weg in die Münzgasse, auf ihr bis zur Pferdeschwämme am Siegmundstor, hier nach kurzer Sicht aufs Festspielhaus an der Hofstallgasse links ab gleichsam zurück zum Stadtkern über den Herbert-von-Karajan-Platz, den Universitätsplatz und den Alten Markt, wo ich in der Zuschauermenge gegenüber dem Café Tomaselli nicht einmal mehr die Zurufe von Gudrun und meiner Frau vernahm, nur noch in Richtung Zielbogen zum Residenzplatz orientiert mit möglichem Rundblick auf den Dom, die Residenz, das Glockenspiel, das Panorama- und Salzburg-Museum. Ich hatte die Ziellinie in „meiner Wunschzeit“ – unter 3:10 – hinter mir und muss mich mit hochgerissenen Armen unwahrscheinlich gefreut haben, da mir dies über Lautsprecher bestätigt wurde. In der „Verpflegungsstraße“ gönnte ich mir ein Bier und genoss seine ersten Schlücke als Glück des Moments.
Wir fanden uns zu viert wieder bei der Gepäckrückgabe auf dem Kapitelplatz, bummelten erholsam über den Makartsteg zurück zur Paris-Lodron-Straße, wo ich ein ausgiebiges Entspannungsbad nahm. Als wir nachmittags zum Ausklang in der Gartenwirtschaft des Sternbräus an der Griesgasse 23 saßen, mussten auch die „Schlusslichter“ angekommen sein, denn die Aufräumarbeiten waren bereits voll im Gange. Gegen Abend fuhren wir bei dichtem Verkehr nach München zurück und ließen den Tag zusammen mit unserem Sohn und einigen seiner Freunde beim Billardspielen in Martinsried ausklingen.
Karl Kleinhans - Forstenrieder SC

Karl Kleinhans